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Was ist sexualisierte Gewalt?
Nein heißt Nein.Sexualisierte Gewalt umfasst alle sexuellen Handlungen, die ohne die freie und informierte Zustimmung einer Person stattfinden oder bei denen eine Zustimmung nicht möglich ist.
Dies gilt in allen Beziehungen gleichermaßen – auch innerhalb von Ehe oder Partnerschaften.
Dazu gehören insbesondere:
- Sexuelle Handlungen durch Zwang, Gewalt, Drohungen oder Druck
- Ausnutzung von Macht- oder Abhängigkeitsverhältnissen (z. B. durch Autorität, Vertrauen oder wirtschaftliche Abhängigkeit)
- Sexuelle Handlungen mit Kindern oder Minderjährigen, da diese rechtlich keine wirksame Zustimmung geben können
- Sexuell motivierte Berührungen oder Handlungen gegen den erkennbaren Willen einer Person
- Nicht-körperliche Formen wie sexuelle Belästigung, Aufforderungen zu sexuellen Handlungen oder das Zusenden sexueller Inhalte gegen den Willen einer Person (auch über soziale Medien)
Rechtliche Situation in Deutschland:
- Sexuelle Handlungen mit Kindern unter 14 Jahren sind immer strafbar. Eine Zustimmung ist rechtlich nicht gültig.
- Bei Jugendlichen im Alter von 14 und 15 Jahren können sexuelle Handlungen mit Erwachsenen (ab 18 Jahren) strafbar sein, wenn die erwachsene Person fehlende sexuelle Selbstbestimmung ausnutzt, Druck ausübt oder ein Macht-, Vertrauens- oder Abhängigkeitsverhältnis ausnutzt.
- Sexuelle Handlungen mit Personen unter 16 Jahren sind ebenfalls strafbar, wenn eine Zwangslage ausgenutzt oder Geld bzw. andere Vorteile angeboten werden.
- Besonderer Schutz gilt außerdem bei deutlichen Machtunterschieden (z. B. bei Lehrkräften, Betreuungspersonen oder Vorgesetzten), unabhängig davon, ob die junge Person scheinbar zugestimmt hat.
Entscheidend ist, ob eine Handlung sexueller Natur ist und ob sie gegen den Willen der betroffenen Person oder unter Bedingungen stattfindet, die eine freie Entscheidung einschränken.
Anzeichen sexualisierter Gewalt
Sexualisierte Gewalt zeigt sich nicht immer auf die gleiche Weise. Die Anzeichen können je nach Person, Alter und Situation sehr unterschiedlich sein. Häufig zeigt sie sich durch eine Kombination aus Verhaltensänderungen, emotionalen Belastungen und manchmal auch körperlichen Symptomen – nicht nur durch ein einzelnes eindeutiges Zeichen.
Sexualisierte Gewalt kann Angst, Furcht, Depressionen sowie Schuld- und Schamgefühle verursachen. Auch Albträume oder Schlafprobleme sind häufig.
Sie kann außerdem beeinflussen, wie Betroffene mit anderen Menschen oder der Gemeinschaft umgehen. Riskantes oder selbstschädigendes Verhalten kann ebenfalls auftreten.
Zu den körperlichen Anzeichen können blaue Flecken, Verletzungen, Wunden oder Schmerzen im Intimbereich gehören.
Auch häufige Infektionen oder Schmerzen ohne klare Ursache können Anzeichen sein.
Es ist wichtig, auf wiederkehrende Muster und mehrere Symptome zu achten, da ein einzelnes Zeichen nicht automatisch bedeutet, dass eine Person missbraucht wird.
Sexualisierte Gewalt und Migration
Menschen mit Migrationserfahrung – insbesondere Geflüchtete, Asylsuchende und Menschen ohne gesicherten Aufenthaltsstatus – sind häufig besonders gefährdet. Gründe dafür können unsichere Lebensbedingungen, fehlender rechtlicher Schutz, Sprachbarrieren oder wirtschaftliche Abhängigkeit sein.
Manche Menschen erleben Zwang, Ausbeutung oder Gewalt im Austausch für Transport, Unterkunft oder grundlegende Bedürfnisse.
Frauen und Kinder sind besonders gefährdet, aber auch Männer können betroffen sein.
Im Aufnahmeland verhindern Angst vor Abschiebung oder gesellschaftliche Scham oft, dass Betroffene Hilfe suchen oder Gewalt melden. Deshalb ist es wichtig, über dieses Thema zu sprechen, die eigenen Rechte zu kennen und zu wissen, wo man Schutz und Unterstützung finden kann.
Wie kann psychosoziale Unterstützung helfen?
Psychosoziale Unterstützung konzentriert sich nicht nur auf die unmittelbare Sicherheit, sondern auch auf emotionale Stabilisierung, Würde und langfristige Stärkung.
Geschulte Berater schaffen geschützte und vertrauliche Räume ohne Verurteilung, in denen sich Menschen sicher fühlen können, über ihre Erfahrungen zu sprechen.
Sexualisierte Gewalt kann zu Belastungen wie posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS), Angststörungen oder Depressionen führen. Psychosoziale Unterstützung hilft Betroffenen dabei, traumatische Erfahrungen zu verarbeiten – zum Beispiel durch Beratung, Selbsthilfegruppen oder kultursensible Angebote, die den Hintergrund und die Werte der Person respektieren.
Außerdem verbindet psychosoziale Unterstützung Menschen mit praktischen Hilfsangeboten wie Rechtsberatung, medizinischer Versorgung, Wohnmöglichkeiten oder Schutzangeboten. Dadurch wird die psychische Stabilisierung auch im Alltag unterstützt.
Eine gute Unterstützung sieht den Menschen als Ganzes – nicht nur das Trauma – und berücksichtigt die schwierigen Erfahrungen, die viele Menschen vor, während und nach der Gewalt erleben.
Was kann die Verarbeitung und Heilung unterstützen?
Die Verarbeitung sexualisierter Gewalt ist kein einzelner Schritt, sondern ein längerer Prozess, der emotionale, praktische und soziale Unterstützung miteinander verbindet.
- Regelmäßige traumasensible Beratung: Der Zugang zu geschulten Fachkräften kann helfen, Erlebnisse sicher zu verarbeiten und mehr Stabilität im Alltag zu schaffen.
- Selbsthilfe- und Unterstützungsgruppen: Der Austausch mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, kann Isolation und Schamgefühle reduzieren.
- Rechtliche Unterstützung und Informationen über Rechte: Klare Informationen und rechtliche Beratung können helfen, wieder mehr Kontrolle zu gewinnen. Das Wissen über die eigenen Rechte kann Angst und Hilflosigkeit verringern.
- Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten: Kreative Angebote wie Kunst, Musik oder Schreiben können helfen, Gefühle und Erfahrungen auszudrücken, die schwer in Worte zu fassen sind.
- Soziale und gesellschaftliche Integration: Kontakte zu Gemeinschaften, Unterstützungsnetzwerken oder kulturellen Gruppen können Isolation verringern und das Gefühl von Zugehörigkeit stärken.
- Psychoedukation: Wenn Betroffene verstehen, warum Traumafolgen wie Flashbacks oder Schlafprobleme auftreten, wirken diese oft weniger beängstigend und besser kontrollierbar.
Wann sollten Sie Hilfe suchen?
Sie sollten Hilfe suchen, sobald Sie sich unsicher, überfordert oder durch Ihre Erfahrungen belastet fühlen. Es gibt keinen „richtigen“ Zeitpunkt dafür, und Sie müssen nicht warten, bis sich alles verschlimmert.
Sie haben das Recht, so lange Unterstützung in Anspruch zu nehmen, wie Sie diese benötigen.
Sie sind nicht allein
Bei Albatros sind wir für Sie da – mit Respekt, Verständnis und Unterstützung. Wir wissen, dass es schwer sein kann, Hilfe zu suchen oder über belastende Erfahrungen zu sprechen. Sie müssen damit jedoch nicht alleine bleiben.
Unser Team hört Ihnen zu, unterstützt Sie und begleitet Sie auf Ihrem Weg.
Wenn Sie reden möchten oder Hilfe benötigen, können Sie sich jederzeit an uns wenden. Wir sind für Sie da und wir kümmern uns um Sie.
Lassen Sie sich persönlich beraten
